Eine Stadt für psychisch Kranke

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Ein italienisches Dorf feiert die Hässlichen, mehr Kreativität mit dem »Schlüsseltrick« von Salvador Dali und die besondere Betreuung psychisch Kranker im belgischen Geel – Leon und Atze haben sich einen bunten Themenmix für ihre »Laberfolge« rausgesucht.



Der Club der Hässlichen


Die deutsche Krankenkasse IKK classic berichtet, dass Schönheits-OPs in Deutschland immer beliebter werden. Aber nicht nur hierzulande legen sich immer mehr Menschen unter’s Messer. Weltweit ist ein Aufwärtstrend zu erkennen, wie Statistiken zeigen. Verzeichnete die International Society of Aesthetic Plastic Surgery 2009 knapp 14 Millionen Schönheitsoperationen pro Jahr, waren es 2019 fast 25 Millionen Eingriffe. Und auch wenn der Großteil der OPs auf Frauen entfällt, finden immer mehr Männer den Weg zum Beauty-Doc.
Expert:innen aus Medizin und Psychologie erklären diese Zunahme mit dem wachsenden Trend zur Selbstoptimierung. Der Körper muss perfekt sein. Gefüttert wird dieser überhöhte Anspruch an das eigene Aussehen durch Social Media und die dort vermittelten Schönheitsideale.

Diesem Trend zur körperlichen Selbstoptimierung hält ein Dorf in Italien etwas entgegen. Piobbico hat den »Club dei Brutti« – den Club der Hässlichen – gegründet. Seit 1879 steht die Vereinigung dafür, dass ein Mensch so ist, wie er ist, und nicht so, wie er aussieht. Was als utopische Idee begann, hat sich im Laufe der Generationen zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Heute zählt die so genannte »World Association of Ugly People« mehr als 30.000 Mitglieder in 25 globalen Sektionen. [1]


Das Wunder von Geel

»A Radical Experiment in Mental Health Care, Tested Over Centuries« – das ist die Überschrift eines erst kürzlich veröffentlichten New York Times-Artikel. [2] Darin geht es um die belgische Stadt Geel. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es dort einen ungewöhnlichen Ansatz zur Betreuung psychisch Erkrankter. Sie ziehen bei örtlichen Familien ein und werden so in eine Gemeinschaft eingebunden. Es geht darum psychische Erkrankungen als Individualität anstatt als stigmatisierende Behinderung anzunehmen. 


Dali und der Schlaftrick

Salvador Dali hatte eine eigentümliche Art, seinen Geist zu erfrischen. Er nannte es »Schlummern mit einem Schlüssel« [3] Er hielt dabei einen Schlüssel in seiner Hand über einem Teller und machte es sich gleichzeitig in seinem Stuhl gemütlich. Wenn ihn die Müdigkeit überkommt, glitt ihm der Schlüssel langsam aus der Hand, bis er mit einem lauten Klirren auf den Teller fiel und Dali aufweckte. Dali behauptete, der kurze Moment zwischen Wachsein und Schlaf würde sein körperliches und psychisches Wohlbefinden wiederherstellen.

Nun wurde Dalís mystisch klingende Methode zu einem gewissen Grad durch wissenschaftliche Befunde gestützt. Die Pariser Schlafforscherin Delphine Oudiette und ihr Team untersuchten, ob genau diese Phase zwischen Wachsein und Schlafen Einfluss auf das Lösen mathematischer Aufgaben hat. [4] Die Ergebnisse untermauern Dalis Schlaftrick: Wenn die Proband:innen nur ein kurzes Nickerchen machten ohne in die Tiefschlafphase zu fallen, waren sie fähiger kreative Problemlösungen zu finden. Immer noch unklar sei aber, welche Prozesse im Gehirn und Körper verantwortlich sind. Dafür ist weitere Forschung nötig.


Redaktion: Dr. Leon Windscheid, M.Sc.-Psychologe
Produktion: Murmel Productions


QUELLEN

[1] Barr, A. (2019). The Italian village that celebrates ugliness. BBC.

[2] Stevis-Gridneff, M., & Ryckewaert, K. (2023). A Radical Experiment in Mental Health Care, Tested Over Centuries. The New York Times. 

[3] Intagliata, C. (2023). Salvador Dali's Creative Secret Is Backed by Science. Scientific American. 

[4] Lacaux, C., Andrillon, T., Bastoul, C., Idir, Y., Fonteix-Galet, A., Arnulf, I., & Oudiette, D. (2021). Sleep onset is a creative sweet spot. Science Advances, 7(50), eabj5866.

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