Schenken für die Psyche

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Alle Jahre wieder die gleiche Frage: Welche Geschenke lege ich meinen Liebsten unter den Weihnachtsbaum? Schenken ist schwierig und wenn’s schiefgeht, kann schnell Schluss sein mit der Besinnlichkeit. Damit das dieses Jahr anders läuft, wird die Psychologie unsere Shopping-Begleitung. Wir haben ganz viele Tipps für euch, wie ihr ohne Stress das perfekte Geschenk findet und den Beschenkten Freude bereitet, die weit bis ins neue Jahr geht. Dabei ist erstaunlich, dass es auf ganz andere Dinge ankommt, als wir zunächst denken.

Deutsche wollen 2022 weniger Geld für Geschenke ausgeben

Zu dem Ergebnis kommen mehrere Umfragen von Statista, Bonial und Appinio. Hauptgrund ist die Inflation.


Warum wir gerne Schenken

Unsere Freude am Schenken kommt vor allem daher, dass wir eine soziale Spezies sind, die vom Zusammenhalt lebt. In den 1970er Jahren stellte der Wissenschaftler Robert Trivers die Theorie des reziproken Altruismus auf, die erklären kann, wie Individuen erfolgreicher sein können, wenn sie sich gegenseitig helfen, statt nur sich selbst. [1]

Trivers stellt fest, dass wir oft die Kosten auf uns nehmen, um einer anderen Person zu helfen, weil wir wissen, dass diese Person uns den Gefallen zu einem späteren Zeitpunkt zurückgeben wird, wenn wir ihn wirklich brauchen.

Deine Liebsten zu beschenken stärkt damit das emotionale Band zwischen euch.

Dass es uns gut tut, wenn wir Geld für andere ausgeben, zeigt eine Studie von Elizabeth Dunn. [2]


Mit Geschenken kann man so viel falsch machen

Zum Beispiel schrieb der Ökonomie-Professor Joel Waldfogel 1993 vom »Deadweight Loss of Christmas«. [3] Er meint damit, dass ein ungeliebtes Geschenk einen Wertverlust erfährt – auf der Seite des Schenkenden einerseits. Die Person hat Geld ausgegeben. Und auf der Seite des Beschenkten andererseits, weil der objektive Kaufpreis nicht dem Wert entspricht, den die beschenkte Person dem Geschenk gibt. Wenn sie es nicht mag, hat es wenig persönlichen Wert.

Außerdem ist Schenken eine sehr emotionale Angelegenheit, weil das Geschenk die Bedeutung der Beziehung widerspiegelt. Das kann zu Stress führen. Oder wie es im Englischen heißt zu »Gift-related Anxiety«. [4]

Welch negativen Einfluss ein falsches Geschenk haben kann, konnte Elisabeth Dunn in einer faszinierenden Studie mit Pärchen zeigen. [5] Erhielten Partner von ihrer Partnerin ein vermeintlich ungeliebtes Geschenk, waren sie z.B. weniger bereit diese Person zu heiraten als vor dem Geschenke-Dilemma. 


Tipps – So geht gutes Schenken

Eine absolute Hörempfehlung an der Stelle ist eine Folge des englischsprachigen Podcast »The Happiness Lab«: Happier Holidays: How to Give and Receive the Perfect Gift

Dort unterhalten sich mehrere Psychologie-Forscher:innen übers Schenken und geben wertvolle Tipps. 


Kontext ist alles – es gibt kein perfektes Geschenk

Zuerst, einfach aber wichtig: DAS perfekte Geschenk gibt es nicht. Es geht immer um den Beschenkten: Was ist für diese Person das perfekte Geschenk? [4]


Es gehören immer zwei dazu – Schenkende und Beschenkte

Nick Epley, Professor für Verhaltenswissenschaften und Direktor des Center for Decision Research an der University of Chicago Booth School of Business, sagt: Es gibt zwei Aspekte des Schenkens, die einen positiven Wert schaffen.

Der eine ist die Handlung selbst. Wir fühlen uns besser, wenn wir etwas Gutes für andere tun. Hier geht es um den Schenkenden.

Der andere Aspekt ist, wenn der Empfänger die Geschenke mag. Das ist die Seite des Beschenkten.

Diese beiden Seiten in Einklang zu bringen, ist das Ziel. [6]

Leider setzen wir nicht immer den Beschenkten an erster Stelle, sagt Dr. Julian Givi, Assistenzprofessor für Marketing am John Chambers College of Business and Economics der West Virginia University. [6] Es geht nicht darum, dass wir möglichst viele Gedanken, viel Zeit und Geld in das Geschenk investieren. [7] Auch geht es nicht darum, dass es ein besonders spezielles Geschenk ist. [8]

Daraus ergibt sich, dass auch Geld und Gutscheine gute Geschenke sein können, weil sie der beschenkten Person die Freiheit geben, wirklich etwas zu kaufen, was ihr gefällt.

Epleys Forschungen deuten darauf hin, dass, wenn Menschen Geschenke erhalten, die »dominante Wirkung« des Geschenks darin besteht, wie sehr es der Person gefällt.

 

Frag nach, was eine Person haben möchte

Nick Epley hält es für vollkommen unbedenklich bei Unsicherheit, einfach nachzufragen. Dann weiß man, welche Geschenke wirklich gut ankommen. [4]

Wer es weniger direkt mag, kann darauf achten, wovon jemand begeistert erzählt oder wie die Wohnung der beschenkten Person aussieht. Vielleicht finden sich dort Hinweise auf Geschenkwünsche. 


Erfahrungen und Zeit schenken

Erlebnisgeschenke sind eine bessere Wahl als materielle Dinge. Erlebnisse machen uns nicht nur glücklicher als Dinge, sondern bringen auch Geber:in und Empfänger:in einander näher. [4]

Ein weiteres kostengünstiges und trotzdem nachhaltiges Geschenk ist Zeit. Davon haben wir alle zu wenig und wenn man verschenkt, mal auf die Kinder aufzupassen oder den ungeliebten Haushalt zu machen, freut sich die beschenkte Person bestimmt.

Ein weitere passender Tipp dazu von Nick Epley: Verteile die Geschenke über die Zeit. Zu Weihnachten erhalten wir die geballte Fülle und danach ist wieder Flaute. Wenn man z.B. eine Konzertkarte für nächsten Sommer verschenkt, hat der/die Empfänger:in lange etwas, worauf er/sie sich freuen kann. 


Grußkarte nicht vergessen

Ein völlig unterschätztes Geschenk, ist die Grußkarte. Das ist oft das Beste daran, denn beim Schreiben denkt man darüber nach und schätzt die Person, der man etwas schenkt. Und selbst wenn das Geschenk nicht perfekt auf die Vorlieben des Beschenkten abgestimmt ist, ist es vielleicht das Schönste, wenn man sieht, was man an ihm/ihr schätzt.


Sei ein guter Beschenkter

Wir denken darüber nach, gute Schenkende zu sein, aber wir können auch gute Beschenkte sein. Wenn dir jemand Geld gibt, wird es z.B. schwer sein, sich als Geber:in wirklich gut zu fühlen, weil wenig Aufwand reingeflossen ist. 

Aber als Empfänger:in können wir dem/r Schenkenden ein gutes Gefühl geben, indem wir zeigen, wie wir das Geld tatsächlich verwenden.

Eine weitere Möglichkeit, ein/e gute/r Empfänger:in zu sein, besteht darin, den Leuten einfach zu sagen, was man von dem Geschenk hält, vor allem, wenn es positiv ist.


Zerdenke es nicht

Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, dass Du ein schlechtes Geschenk machst: Wirklich schlechte Geschenke sind selten. Sofern das Geschenk nicht völlig unangemessen ist, wird der/die Empfänger:in ein gewisses Maß an Wertschätzung empfinden. [9]

QUELLEN

[1] Farrelly, D. The Psychology of Giving Gifts. University of Worcester. 

[2] Dunn, E. W., & Norton, M. I. (2013). How to Make Giving Feel Good. Greater Good Magazine.

[3] Waldfogel, J. (1993). The deadweight loss of Christmas. The American Economic Review, 83(5), 1328-1336. 

[4] Murphy, K. (2022). Unpacking the Psychology of Gift-Giving. The New York TImes.  

[5] Dunn, E. W., Huntsinger, J., Lun, J., & Sinclair, S. (2008). The gift of similarity: How good and bad gifts influence relationships. Social Cognition, 26(4), 469.

[6] Chiu, A. (2021). Gift giving: Is it really the thought that counts? Psychologists weigh in. The Washington Post. 

[7] Zhang, Y., & Epley, N. (2012). Exaggerated, mispredicted, and misplaced: When “it's the thought that counts” in gift exchanges. Journal of Experimental Psychology: General, 141(4), 667.

[8] Dunn, E., & Norton, M. (2013). Three myths about gift giving. CNN. 

[9] Wen, T. (2019). The science behind giving good gifts. BBC.

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